Der Regen ist schon da. Die Stimmung auch.
Vor dem Explorer Hotel wird gewartet, geredet und gelacht. Die Atemschutzgeräte sind geschultert, die Helme aufgesetzt. Auf den Jacken und Flaschen sammeln sich Tropfen. Wer an diesem 10. Oktober auf trockenes Wetter hofft, wartet vergeblich: Es regnet den ganzen Tag.
Der Stimmung tut das erstaunlich wenig. Schon im Startbereich ist zu sehen, was diesen Fire Trail ausmacht. Menschen, die sich auf eine ziemlich anstrengende Sache eingelassen haben und dabei richtig gut drauf sind. Noch ein gemeinsames Bild, ein breites Grinsen, dann geht es los.
Die sportliche Idee kommt aus der Welt der Feuerwehr-Treppenläufe: In Einsatzkleidung und mit zusätzlicher Ausrüstung geht es gegen die Uhr nach oben. Nesselwang verlegt diese Herausforderung an die Alpspitze. Das Atemschutzgerät bleibt dabei auf dem Rücken, wird aber nicht angeschlossen; Masken sind hier nicht erlaubt. Vor den Teilnehmern liegen Treppen, Waldwege und steile Bergstraßen bis zum Sportheim Böck.
Jetzt wird es steil
Am Wasserfallweg ziehen sich Metalltreppen durch den Herbstwald. Wasser läuft über den Fels, die Stufen sind nass. Der Griff ans Geländer hilft beim Aufstieg. Mit jeder Stufe müssen auch Helm, Schutzkleidung, Einsatzstiefel und Atemschutzgerät weiter nach oben.
Hier wird aus der Vorfreude handfeste Anstrengung. Eine Hand stützt sich auf dem Knie ab, der Oberkörper geht nach vorn. Die Abstände werden größer. Zwischen gelben Blättern und dunklen Stämmen verschwindet die nächste Treppe im Wald.
Wer die Stufen hinter sich hat, ist noch lange nicht oben. An der Mittelstation öffnet sich zwar der Blick ins Tal, doch die Strecke steigt weiter. Über die Bergstraße und durch die Bayernkurve geht es Richtung Bergstation. Das Ziel wartet am Sportheim Böck.
Schwere Beine, gute Laune
Jetzt sitzt das Gewicht auf den Schultern. Hände halten die Tragegurte, der Blick geht auf die nächsten Meter. Der Aufstieg verlangt den Teilnehmern viel ab. Der Regen macht weiter.
Und mittendrin bleibt Platz für Spaß. Ein Lachen, ausgestreckte Arme, ein Grinsen unter dem tropfenden Helm. Volle Anstrengung und gute Laune liegen an diesem Tag oft nur einen Augenblick auseinander. Genau das macht die Stimmung aus: Es ist hart, es ist nass — und trotzdem haben die Leute miteinander einen richtig guten Tag.
Auch an der Strecke wird ausgeharrt. Zuschauer stehen unter Regenschirmen, während sich die Teilnehmer weiter nach oben arbeiten. Bis zuletzt gehören die Menschen am Wegrand genauso zum Fire Trail wie diejenigen mit der Flasche auf dem Rücken.
Durch die Pfützen ins Ziel
Vor der Zielmarkierung spritzt das Wasser unter den Stiefeln auf. Noch ein paar Schritte. Dann ist der Aufstieg geschafft.
Manche bleiben nach vorn gebeugt stehen. Andere setzen sich auf den nassen Schotter oder stützen sich erst einmal auf die Unterarme. Jetzt ist die Erschöpfung deutlich zu sehen. Die Ausrüstung darf herunter, die Beine dürfen Pause machen.
Dann kommen die Medaillen — und das Lachen. Ein Band wird über den Helm gezogen, eine Medaille in die Hand genommen. Einer legt beide Hände an den Kopf und strahlt. Die Anstrengung steckt noch in den Gesichtern, die Freude ist längst wieder da.
Der Regen hat bis zum Schluss durchgehalten. Die Teilnehmer auch: mit Einsatz, Humor und einer guten Laune, die diesen Fire Trail mindestens so geprägt hat wie die nassen Treppen. Was für eine Truppe.