Rock im Nebel


Es gibt kein schlechtes Wetter.

Samstagmorgen. Der angekündigte Nebel steht über den Bergen, von Sonne keine Spur. Unablässig prasselt der Regen. Das richtige Wetter für vier Verrückte auf dem Bike. Treffpunkt ist die Krause Buche im Wiehengebirge, ca. 6 km von Bad Oeynhausen entfernt.

 

Die Idee, bei extra schlechtem Wetter zu riden, war am Abend zuvor bei den Trailmeisen, einer lockeren Freeride-Gruppe aus Bad Oeynhausen, diskutiert worden. Jörg hat ein neues Bike, das getestet werden musste. Egal was kommen mag. Einwände wegen Regen und Nebel werden nur belächelt, der Beschluss das Bike einzuweihen steht fest. Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur Herausforderungen.

 

10 Uhr am Berg. Jörg hat sein „jungfräuliches“ Specialized Demo dabei. Noch kann man sehen, dass es absolut neu ist. Doch das wird sich ändern, sehr schnell sogar. Gemeinsam mit Ansgar, Jimmy und Matze schieben sie los, dem Gipfel entgegen.

 

Mit jedem Höhenmeter wird der Nebel dichter. Wasser tropft von den Bäumen. Die Luft ist frisch. Am Anfang weicht noch jeder den Pfützen aus, das gibt sich. Materialschonung ist was für Weicheier.

Ruhig liegt der Wald da, keine Spaziergänger, weit und breit. Nur der Regen ist zu hören. Ab und zu hört man den Wind über den Baumwipfeln und den Atem der vier Freerider.

 

Dicke Stollenreifen rollen sich gleichmäßig auf dem nassen Untergrund ab. Die Ketten schnurren, manchmal knackt ein Ast unter den Reifen.

 

Oben angekommen wird kurz beschlossen, wer heut als erster den Trail rocken darf.

Nach den ersten Metern ist der Dreck egal. Wasser spritzt, Erde fliegt, Äste brechen und die Gabel schluckt die nassen Wurzel weg. Matze, der als erster angefahren ist, legt Geschwindigkeit zu. Die anderen drei Freerider folgen Ihm in dichten Abständen und schießen gemeinsam in den Trail.

 

Regen und Dreck schleudern ihnen ins Gesicht, das Blickfeld wird enger. Egal, keiner möchte auf den Speed und Flow verzichten.

 

Schotter, das Wasser der Pfützen und aufgeweichter Waldboden fliegen vorbei. In den Trail ragende Wurzeln sind wie Rutschbahnen, glatt und gefährlich. 

Nach der ersten Abfahrt ist jeder bis auf die Knochen nass, der Dreck ist überall. Jetzt erst recht, sagt Asgar und schlägt vor, als nächstes den „Heese Gedenk-Trail“ durch den Bombenkrater zu nehmen. Alle sind sich einig, der wird jetzt gerockt. Da gibt es einen richtig schönen Anlieger und steile Lehmhänge. Die Wurzelpassage zum Schluss ist bei diesem Wetter aber nicht ganz ungefährlich. Das weiß hier jeder.

 

Weiter unten im dichten Tannenwald ist es mittlerweile so nebelig, dass ein schnelles Fahren kaum möglich ist. Deshalb fahren bzw. schieben die Jungs wieder zurück zum Grat, um noch weitere Trails im oberen Teil zu fahren.

 

Nach drei Stunden Schlammschlacht kann man das Wasser aus den Handschuhen auswringen und alle haben genug Adrenalin ausgeschüttet, um sich jetzt den gemütlichen Dingen des Tages zu widmen.

 

Die Räder werden noch schnell mit dem Gartenschlauch abgespritzt und jeder läuft mit einem breiten Grinsen im Gesicht durch die Gegend.